Aktuelle Meldungen

Situation bleibt kritisch - Perspektiven dringender nötig denn je

Die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) unter knapp 3.500 selbstständigen Freiberuflern zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und ihrer abschließenden Bilanz des Corona-Jahres 2020 liegen nun vor. Demnach

• ist jeder zehnte Befragte in Existenznöten

• sind weitere rund 200.000 Stellen bedroht

• wird ein kritisches Marktumfeld und ein Nachhalleffekt befürchtet

 

Wirtschaftliche Lage 2020

9,9 Prozent der befragten Freiberufler gaben an, dass ihr Unternehmen sehr stark getroffen wurde, 28,6 Prozent waren stark betroffen, 41,2 Prozent kaum und 20,3 Prozent gar nicht. Infolgedessenstufen 4,5 Prozent der befragten Freiberufler ihre wirtschaftliche Lage 2020 als sehr schlecht, 23,3 Prozent als schlecht, 55,8 Prozent als gut und 16,4 Prozent als sehr gut ein. Besonders betroffen sindzum einen Solo-Selbstständige, hier geben 37,7 Prozent an, dass das vergangene Jahr für sie schlecht oder sogar sehr schlecht verlaufen ist. Zum anderen gilt dies auch für Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern, hier sind es 26,1 Prozent.

Auftragsrückgang

2020 verzeichneten 5,8 Prozent der Befragten einen Auftragsrückgang von mehr als 75 Prozent. Bei 5,3 Prozent liegt er bei über 50 bis 75 Prozent, bei 15,5 Prozent bei über 25 und bis 50 Prozent, bei 28,9 Prozent bei über fünf bis 25 Prozent, bei 44,5 Prozent bei bis zu fünf Prozent.

Existenzbedrohung

Für jeden zehnten Freiberufler ist der bisher entstandene wirtschaftliche Schaden existenzbedrohend, für 90 Prozent nicht. Betroffen sind insbesondere Solo-Selbstständige (19Prozent) und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern (7,1 Prozent).

Für das nächste Halbjahr sind die Freiberufler skeptischer: Weitere 18,8 Prozent erwarten, dass der wirtschaftliche Schaden dann für ihr Unternehmen existenzbedrohend wird. Auch hier sind Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern überdurchschnittlich stark betroffen.

Stellenabbau

Rund jeder Zehnte war 2020 gezwungen, Stellen abzubauen. Weitere 200.000 Stellen sind bedroht.

Erwartete Entwicklung für 2021

Diejenigen, bei denen 2020 schlecht gelaufen ist, erwarten mehrheitlich eine Verbesserung in diesem Jahr, 55,1 Prozent. 44,9 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Ein ähnliches Bild zeigt sich beidenjenigen, die ihre Lage als mindestens gut bewerteten, 54,1 Prozent erwarten eine Verbesserung, 45,9 Prozent erwarten eine Verschlechterung.

Fehlzeiten

Jeder Dritte (32,6 Prozent) verzeichnete höhere Fehlzeiten im Team, 67,4 Prozent nicht.

Öffnungsstrategie

Für mehr als die Hälfte ist ein strukturierter Ausstieg aus dem Lockdown wertvoll: 15,8 Prozent bezeichnen eine langfristig angelegte Strategie als sehr hilfreich, 41,6 Prozent als hilfreich, 27,4Prozent als weniger hilfreich und 15,2 Prozent als nicht hilfreich.

Homeoffice

Die Mehrheit der Befragten lehnt einen Rechtsanspruch auf Homeoffice ab, 29,5 Prozent bezeichnen dies als sehr schlecht, 30,2 Prozent als schlecht, 28,6 Prozent finden das gut, 11,7 Prozent sehr gut. Die Mehrheit der Befragten trägt einen Anspruch, wo möglich, mit. 18,6 Prozent finden das sehr gut, 44 Prozent gut, 21,1 Prozent schlecht und 16,3 Prozent sehr schlecht.

Corona-Hilfen

Vier von zehn Freiberuflern haben Hilfen beantragt (40,7 Prozent), sechs von zehn nicht (59,3 Prozent). Am häufigsten beantragten Solo-Selbstständige und kleine Unternehmen mit bis zu fünf Mitarbeitern Unterstützung.

Nutzung

Am häufigsten wurden die anfänglichen Soforthilfen von Bund und Ländern genutzt (70,8 Prozent der insgesamt Beantragenden), Kurzarbeitergeld (38,6 Prozent) und die Überbrückungshilfe III (15,8 Prozent).

Probleme bei der Beantragung

Die fünf häufigsten Probleme waren: (1) Bedingungen zum Erhalt der Hilfe unklar; (2) keine passenden Hilfen gefunden, insbesondere da über lange Zeit keine Kosten für die Lebenshaltung berechtigten; (3) monetärer Umfang der Hilfen geringer als erwartet; (4) Zeitraum zwischen Beantragung und Auszahlung zu groß; (5) Anträge für Hilfen standen nicht früh genug zur Verfügung.

Bewertung

Kurzarbeitergeld fanden 86,9 Prozent hilfreich, Soforthilfen 74,6 Prozent und die Überbrückungshilfe 48,6 Prozent.

Über die Umfrage

Repräsentative Umfrage des Instituts für Freie Berufe (IFB) unter knapp 3.500 selbstständigen Freiberuflern zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie in den Freien Berufen, gerade ineinem abschließenden Rückblick auf das Corona-Jahr 2020, aber auch zu weiteren Aspekten wie der Nutzung und Bewertung von Hilfsinstrumenten; erhoben und ausgewertet zwischen Anfang Februarund Mitte März 2021.